"Butler Parker" – Fernsehserie von Günter Dönges

von Jimmy Barrett (Black London Cab  Uploaded by Yarl) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
von Jimmy Barrett (Black London Cab Uploaded by Yarl) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Jawohl, bei einer Fernsehserie handelt es sich keineswegs um ein Buch. Auch nicht bei „Butler Parker“ mit Dirk Dautzenberg in der Hauptrolle. Ich bin mir dessen wohl bewusst. Wenn allerdings die Drehbücher der Verfilmung einer Romanheftserie von deren Erfinder und Autor selbst geschrieben wurden, dann ist das eine interessante Sache und durchaus ein Fall für diesen Blog. Wobei ich zu meinem größten Bedauern gestehen muss, dass das keine Serie meiner Vergangenheit ist. Bis vor kurzem hatte ich nicht einmal Kenntnis von der Existenz dieser Produktion des SWF von Anfang der 70er. Vom 4.Juli 1972 bis 16.Januar 1973 wurden in der ARD die 26 Folgen ausgestrahlt. Jede Episode hat eine überschaubare Länge von etwa 25min. Aber die Fälle, die Butler Parker bearbeitet, sind auch in den Heften meist nicht sehr komplex. Es geht eher um das Wie, um die einzelnen Situationen. Für die Serie wurde sogar das Pseudonym des Butler-Parker-Autors gelüftet. In den Heften erschienen damals große verlagseigene Anzeigen, die stolz das anstehende Fernseh-Ereignis verkündeten und bekanntgaben, dass sich hinter dem bisher genutzten Namen John D. Acton der Verfasser Günter Dönges verberge, der auch schon für andere andere TV-Serien gearbeitet habe. Erfahrung hatte er also in der Arbeit für die Mattscheibe, daher hielt der Sender das Projekt wohl zu Recht für eine gute Idee. Aber es ist auch kaum vorstellbar, dass jemand anders dies auf passende Weise hingekriegt hätte.

Wie in den damaligen Heften ist Parker der Butler des aus Chicago stammenden Anwalts Mike Rander. Hinzu kommt die dänische Sekretärin Vivi Carlsson. Ort der Serie ist in einem ersten Block zunächst London, dann unternimmt man eine Mittel- und Westeuroparundreise, da der Anwalt an den verschiedensten Orten Aufträge zu erledigen hat. Der Trip beginnt mit der Überfahrt auf den Kontinent, geht über Rotterdam und den Hockenheimring in die Alpenländer. Der dritte Teil spielt in den warmen Gegenden des Mittelmeers, bis man dann am Ende wieder nach Hause zurückkehrt und das Trio sich in London endgültig auflöst. An all diesen Orten zieht Parker seinen Chef – mal gerne, mal widerstrebend – in Kriminalfälle hinein, die mit einer Mischung aus Intelligenz und der Parker'schen Trickkiste und ihrer Wunderwaffen gelöst werden. Und natürlich reist man in Parkers Superauto, dem umgebauten Taxi, dem „hochbeinigen Monstrum“. Währenddessen ist ein aus den USA angereistes Killerpärchen hinter Parker und Rander her, da die beiden durch Gerichtsaussagen ein ganzes Verbrechersyndikat haben auffliegen lassen. Dabei stellen die Möchtergernmörder sich aber immer sehr trottelig an und erreichen natürlich ihr Ziel nicht. Am Ende hat man sich sogar direkt aneinander gewöhnt. Die beiden überwältigen konkurrierende Killer und retten somit Parker und Rander das Leben. Man kann sich seine Beute ja nicht einfach so wegschnappen lassen. Man hat ja Berufsehre.

Hauptdarsteller Dirk Dautzenberg ist wunderbar als Butler, der sich gerne als „alten, müden leicht verbrauchten Mann“ charakterisiert. Mit seinem Pokergesicht durchschaut er jede Situation und bei den Kriminalfällen ist das Herr-Diener-Muster meist umgedreht, obwohl er mit stoischer Ruhe immer seinen Pflichten nachkommt. Eckart Dux spielt den Anwalt in einer Mischung aus Lässigkeit und Ironie. Ein weltmännischer Erfolgsmensch. Sehr schön ist die Folge 20, in der er seinen eigenen „Doppelgänger“ spielen darf. Stella Mooney ist die schlaue Sekretärin, die Frauen-Geheimwaffe sozusagen. Nur eines erscheint seltsam, auf den ersten Blick zumindest. Warum ersetzt, in den Folgen 15 bis 21, Gaby Dohm als Jenny die eigentliche Sekretärin Vivi Carlsson? Dafür gibt es eigentlich nur eine Erklärung: Für die Folgen im Süden wollte man Abwechslung, gefragt war weniger nordische Distanz, sondern mehr direkte Freundlichkeit und mehr, sagen wir: Haut. Das Wort „Sex“ wäre angesichts dieser absolut jugendfreien Vorabendserie etwas übertrieben. Und Gaby Dohm bewegt sich auch sehr ungeniert und teilweise sehr dünn bekleidet durchs Bild. Randers Verhältnis zu Vivi ist ja eher von charmanter Geschäftlichkeit geprägt – er nennt sie „Fräulein Carlsson“ – während er an Jenny – weitaus intimer „Fräulein Jenny“ angesprochen – zwischendurch herumtatscht und sie äußerst gerne im Arm hat.

Dönges arbeitet mit Klischees, filmischen und solchen aus der Wirklichkeit. In Schottland gibt es eine Geistergeschichte (Folge 2) und eine über Whiskeydiebstahl (Folge 25). Am Hockenheimring (Folge 11) rasen die Testfahrzeuge über die Strecke. In Holland (Folge 10) endet eine Folge in einer Windmühle. In Dänemark gibt es einen Heimatfilm (Folge 23) um einen Bauernhof, wo Schweine gezüchtet werden. Das ist eine meiner Lieblingsfolgen, das Ganze spielt in der Nähe von Århus und es gibt sogar Szenen im Freilichtmuseum, das ich mal als Gastteilnehmer einer Uni-Exkursion besucht habe. Auch wenn ich mich am liebsten an die Brauerei aus der Innenstadt erinnere. Allerdings wird ein tragischer, bitterer Wermutstropfen niemals trocknen können: Das Gagelbier sollte es erst im Folgemonat geben. Ich konnte es also nicht probieren und werde dies auch niemals können. Ach ja.

Die ersten acht Folgen sind stilistisch die interessantesten. Da wird versucht, Dönges' vornehmen, vornehm-ironischen Sprachstilstil der Heftromane und natürlich die geschraubte wörtliche Rede des Butlers durch die Kameraarbeit visuell umzusetzen. Es gibt einen ständigen Wechsel von Großaufnahme zu Totalen, komplizierte Kamerabewegungen, die es lieben, sich um Hindernisse herumzuschlängeln oder durch sie hindurchzufilmen. Gerne wird gezoomt. Das Prinzip ist oft: Warum einfach, wenn es kompliziert geht? Mit der Reise, wo dann an Originalschauplätzen gefilmt wurden, lässt dieser Ehrgeiz nach, aber das war sicher so geplant. Da ist dann auch ab Folge 14 mit Wolf Vollmar ein anderer Regisseur verantwortlich. Für den Anfang waren mit Jürgen Haase und Hans Müller sogar zwei Regisseure zuständig. Müller hat ja den Heinz-Erhardt-Klassiker „Drillinge an Bord“ gedreht, eine technische Herausforderung mit der Verdreifachung des Hauptdarstellers. Ab „Ein klarer Fall“ übernimmt dann also Vollmar und von nun an ist alles direkter gefilmt, auch wenn man sich immer wieder mal um ausgefallene Kamerapositionen bemüht. Jetzt herrschen folglich die Schauspieler, die fremden Schauplätze und natürlich vor allem die unnachahmlichen Dialoge von Günter Dönges vor. Der Stil hat kein Eigenleben mehr. Aber das wäre auf so einer Auslandstournee ja auch auf Dauer nicht konsequent durchführbar gewesen.

Es ist eigentlich schade, dass man später nicht noch mal einen Serien-Anlauf gemacht hat, als Parker im Heft seinen Arbeitgeber wechselte und begann, für die exzentrische Lady Simpson zu arbeiten. Das hätte den Komiklevel noch um einiges erhöht. Aber wenn ich mich an den Dirk Dautzenberg der 80er erinnere, der sogar in einigen damals obligatorischen Kinovorfilmen auftauchte, hatte dieser später nicht mehr das nötige alterslose glatte Gesicht. Die Serien, für die Günter Dönges geschrieben hat, sind laut Imdb.com übrigens „Reisedienst Schwalbe“ (13 Episoden), „Die Kramer“ (6 Episoden), „Polizeifunk ruft“ (30 Episoden) und „Hafenpolizei“ (39 Episoden). Die letzten beiden gibt es, ebenso wie "Butler Parker" übrigens, erfreulicherweise auf DVD und sind sogar bei Lovefilm ausleihbar. Mal sehen.

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